Fenchel mit Bottarga und Ofentomaten

 

Fenchel BottargaDas hab ich nun davon! Da passt man mal 3 Wochen auf den nachbarlichen Klee auf und schon bekommt man als Urlaubsmitbringsel Bottarga geschenkt! Eins von diesen “daswollteichschonimmermalprobierenaberwokriegichsbloßher”- Produkten, das nach Mittelmeerurlaub schmeckt. Wer es nicht kennt – Bottarga ist getrocknerter Rogen der Großkopfmeeräsche (da schau her), im Block angeboten oder, wie in meinem Fall, gerieben im Glas. Eins von diesen Produkten, bei dem ich keine Angst haben muss, dass es mir hier jemand weg isst, denn es ist zu speziell für meine Foodpuristen um mich herum.

Die häufigste Darreichungsform ist sicherlich zu Spaghetti. Das hab ich probiert und fands herrlich. Heute wollte ich lieber mal Gemüse essen und kopfschmeckte das leicht fischige, würzige Aroma mit Fenchel zusammen und peste los zum Gemüsemann.

Zuhause gings los: Tomaten wurden halbiert und mit Olivenöl, groben Meersalz und etwas Zucker im Ofen gebacken. Als sie fertig waren, hab ich Fenchel fein geschnitten, in einer Pfanne mit Olivenöl angebraten, Salz, Pfeffer, Zitronenschale, Petersilie dazu und mit Weißwein abgelöscht. Etwas schmoren lassen. Auf dem Teller anrichten und mit weiterer Zitronenschale, weiterem Pfeffer und weiterem Olivenöl versehen. Brot dazu. Danke, Ihr lieben Nachbarn, wo geht’s nächstes mal hin? Der Klee ist gut bei mir aufgehoben.

gebratener Spargelsalat

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Gestern sollte es Spargel geben. So klassisch halt. So zum Sonntag. Nun kam uns das grandiose Wetter dazwischen und wir beschlossen, mit der Nachbarschaft zu grillen. Das Fleisch wurde auf Spieße gezogen und der Spargel einer anderen Bestimmung zugeführt: in Form eines Salats. Um aus dem zarten Gemüse noch ein bisschen Kraft zu entlocken, hab ich in angebraten, gesalzen und gepfeffert, mit Weißweinessig abgelöscht und einem Schwupps Pistazienöl abgerundet. Dazu kamen geröstete Haselnusskerne und Petersilie, das wars schon. Simpel, nussig und perfekt zum Gegrillten. Terrassenwarm wars lecker, leicht lauwarm noch besser.

Auberginensalat

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Das Leben ist doch ungerecht mit einem. Nach vielen Monaten, eigentlich schon 2 Jahren des Postens und Genießens bin ich gefangen in einer Life-Work-Balance, die sehr zu Ungunsten von Life ausfällt. Aber ich habe ja schon hinlänglich darüber gemault und will an dieser Stelle auch niemanden damit langweilen. Tragisch ist nicht nur, dass ich meine Küchenversuche nicht mehr teile oder die von anderen geteilten begeistert lese. Sondern, dass ich in alte, ganz schlimme Essgewohnheiten zurückfalle. Nudelnpestovormrechner ist noch die harmloseste Variante. Da ich zur Zeit zusätzlich in einem Büro arbeite finde ich mich mittags, anstatt am Herd oder Kräutertopf, an der Salattheke bei edeka wieder. Die Plastikschale wird bis zum Anschlag gefüllt, mit Etikett versehen (rund und roh 5 Euro!) und mit Plastikgabel vorm Rechner eingenommen. Kulinesse sieht anders aus. Ja, ich könnte mir was mitbringen. Hätte ich Zeit und Muße und Lust dazu… Hätte, Hätte Toastscheiblette.

Ein winziges Highlight in den vergangenen Zeit war der Kauf hübscher Auberginen, die zwar geschmacklich völlig identisch zu normalen Eierfrüchten waren, aber immerhin eine interessante Form aufwiesen: Bild

Eigentlich hätten sie es verdient gehabt, dass ich nächtelang drüber nachgrübel, wie ich sie zubereiten kann. Aber dann entstand aus Resten und Zeitnot ein kleines geschmackliches Freudentänzchen, dass es nach Wochen des Darbens lohnt, an die Welt weiterzugeben.

Die Auberginen wurden in Stücken angebraten. Ingwer und Fischsauce und etwas brauner Zucker karamellisierten das Ganze kurz vor Garende. Basmatireis vom Vortag wurde dann mit entkernten Gurken, geringelten roten Zwiebeln, den letzen noch genießbaren Blättchen einenes bewusst gekauften und unbewusst vergessenen Korianderbüschels sowie fertiger “Green Chili Sauce for Seafood” vermengt. Dazu kamen dann die Auberginen und ….. da war er wieder, mein Mittagsmoment!

 

Chicorée Tarte Tatin

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Wir kommen grade aus dem Skiurlaub zurück. Knusperbraun und mit strammen Beinchen. Wir waren im lieben Österreich. In dem Land, an dem die Speckrollen trotz ganztägiger sportlicher Ertüchtigung sukzessive anschwellen. Wie immer aß ich fast täglich auf einer Hütte Käsepressknödel. Wahlweise in Brühe, an Salat oder auf Sauerkraut. (Ich hatte auch Speckknödel und Spinatknödel). Man kann sich vorstellen, wie meine Körpermitte jetzt aussieht, zumal am Abend in der Regel ja auch nochmal gekocht wurde. Ich arbeite ein bisschen daran, das alles wieder loszuwerden und bin leider mit diesem Mittagsgericht schon wieder über die zumutbare Kaloriengrenze gekugelt. Aber was soll’s. Endlich hatte ich mal wieder Zeit, was für mich zu kochen und geschmeckt hat es auch schon wieder.

Ich habe erst einmal einen Mürbeteig aus 150g Mehl, 75g gemahlenen Haselnüssen, einem Ei, 40g Trüffel- und 30g normaler Butter und Salz geknetet und eine Stunde im Kühlschrank geparkt. Dann wurden 3 halbiert und geviertelte Chicorée in Bütterchen gebraten und mit 2EL Honig und doppelt so viel Balsamico abgelöscht. Salzen, Pfeffern, das übliche. Das Gemüse wurde in eine Tarteform gelegt und mit dem ausgerollten Haselnuss-Trüffelteig zugedeckt. Für eine halbe Stunde bei 210 Grad gebacken, gestürzt und noch heiß gegessen. Das war für eine Portion ein bisschen viel, den Rest gabs abends. Ich hatte übrigens aus restlichem Teig ein paar Kekse gebacken, die waren auch nicht übel!

Matjes mit Rote Bete Dip

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Matschepampe. Das beschreibt meine heutige Zustand. Es gibt zwei Arten von Matschepampesein: Wenn man so eine fiese Erkältung ausbrütet, mit schnupfiger Nase und kratzigem Halse. Dafür kann man in der Regel nichts. Und die zweite: der Morgen nach dem Abend, an dem man einfach zu viel getrunken hat. Diese Matschepampe hab ich heute. Selbstverschuldet. Es kam so: Seit etwa drei Monaten spiele ich Fussball. Ja, ihr lest richtig! Eigentlich komm ich sportlich aus einer ganz anderen Ecke und ich bin laut meiner Jungs: “die schlechteste Fussballmama der Welt”. Da mögen sie  nicht ganz unrecht haben. Trotzdem macht es total Spaß und “du bis schon viel besser geworden”. Na gut. Unser Ü-30 Team, das eigentlich eher eine Ü40 Truppe ist, rekrutiert sich aus mehr oder weniger blutigen Anfängerinnen, die wild karjohlend über den Platz hoppeln. So. Und nächste Woche haben wir unser erstes Spiel. Das hat man nun davon. Ich weiß jetzt schon, dass es desaströs wird. Für mich, und jetzt komm ich wieder auf meinen schlimmen Zustand zurück, und zwei meiner Mannschaftsameradinnen und Freundinnen war es Grund genug, nach dem gestrigen Training Alkohol in nicht unerheblichen Mengen zu uns zu nehmen. Mehr aus Verzweiflung denn aus Vorfreude.

Der dicke Kopf wurde behandelt und da nach dem Nachdurst der Nachhunger kommt, verfiel ich dem Wunsch nach Deftigem. Labskaus kursierte in meinem Kopf. Das wäre sicherlich sehr kurierend. Daraus wurde aber nichts, denn das hier ging schneller:

Schmand oder Joghurt mit einer Kugel gekochter roter Bete, etwas Mayonnaise, Dill, Kapern, Pfeffer, Salz und Sahne zermixen. Eine halbe Schalotte klein geschnitten sowie weitere Kapern dazu mischen. Bratkartoffen und Matjes dazu und ganz schnell gesund werden!

Offene Pilzlasagne

BildIch bin in letzter Zeit mittags irgendwie schlapp. Ohne ein winziges Schläfchen geht es zuweilen gar nicht. Aber so ganz hängen lassen ist ja auch blöde. Also gab ich  mir einen Ruck und dachte, Nudelnselbermachen würde mich über den toten Punkt hieven. Und während ich so den Teig knetete merkte ich, dass ich keine Lust auf Nudelmaschinenmotorumgebaue habe. Denn nach jeder Nudelplatte muss ich den Motor rausoperieren und ihn in ein anders Loch friemeln um ihn dann sogleich wieder umzubauen. Ich Faule! Aber da fiel mir die Lösung ein: einfach nur eine Platte durchziehen und die Mononudel schick als offene Lasagne verkaufen. Schon war ich wieder guter Dinge.

Zuerst bereitete ich die Pilze und die Sauce zu.

Pilze: Geschnittene Austernpilze und eingeweichte Herbsttrompeten mit einer klein gemachter Schalotte und Knoblauch anbraten. Rosmarin dazu geben und mit dem Pilzeinweichwasser ablöschen. Würzen.

Sauce: Weißwein mit Thymian reduzieren lassen, mit Kalbsfond (oder Gemüsefond) auffüllen, wieder reduzieren, Creme double und ein Spritzer Cognac dazu und ggf mit etwas Mehlbutter abbinden. Mit Salz, Pfeffer, Cayenne würzen.

Die Nudelplatte vorsichtig  2 Minuten in kochendem Wasser garen, herausnehmen und mit Olivenöl versehen um ein die Wirkung von Kohäsion und/oder Adhäsion zu vermeiden. Dann die Platte auf einem Teller langlegen, die Pilze portionsweise einschlagen und mit Sauce umspülen. Noch ein paar frische Kräuter drauf. Das hat mich so erschöpft, dass ich mich auch langlegte, und mich in eine Decke schlug. Inspirierend, so eine Lasagne.

Jacobsmuscheln mit Erbsenpüree und lila Kartoffelrisotto

Bild    Mann, ich bin fertig! Hab mir wieder die Nacht um die Ohren geschlagen… Diesmal nicht, weil mir nichts zu Kochen einfiel, sondern weil ich wegen des Superbowls vor der Glotze klebte und den Absprung ins Bett nicht kriegte. Dabei interessiert mich Football eigentlich überhaupt nicht. Ich wusste, dass ich mich deswegen heute ärgern werde und ich ärgere mich auch. Aber ein wenig zufrieden bin ich doch, denn ich habe gerade dieses freundliche Tellerchen verputzt. Weil es heute früh so schön sonnig und die Luft lecker frisch war, schafften es meine müden Knochen auch zum Markt. Irgendwie sollte heute was Farbenfrohes meiner Matschbirne entgegenwirken und es entstand dieses kunterbunte Mittagessen. Das war nicht nur optisch sondern auch geschmacklich ein fröhliches Durcheinander, was mich ganz glücklich machte.

Eine ziemlich ähnliche Farbgebung wie mein Gericht hat auch ein Buch, das mein Mann mir zum Nikolaus geschenkt hat: Niki Segnits Geschmacksthesaurus. Kennt ihr bestimmt wieder alle, oder? Ich finde dieses Buch sehr inspirierend und interessant. Es werden auf knapp 500 Seiten verschiedenste Geschmackskombinationen beschrieben und mit Anekdoten oder Rezepten versehen. Unter “Meeresfrüchte und Erbsen” wird auf ein weiteres Buch über die Küche des Mittelalters hingewiesen, in dem ein Erbspüreerezept beschrieben ist, was ich sofort kochen musste: Ich habe die Zutaten mengenmässig ein bisschen Pi mal Daumen eingesetzt; Abwiegen und -messen ist heute nicht so  ein Ding.

Also: zwei Hände voll Erbsen kurz kochen. Im Mixer ein Toastbrot ohne Rinde, etwas Weißweinessig, die Erbsen, Salz, etwas Ingwer, je eine Prise Zimt, Kardamom, Piment zu einem Püree mixen. Weil mir das zu fest wurde, habe ich noch etwas Sahne hinzugegeben. Eigentlich gehören noch Mandeln und Nelken mit hinein, hab ich aber vergessen. Abschmecken und vor dem Servieren nochmal erwärmen.

Für das lila Kartoffelrisotto (mir fällt kein anders Wort dafür ein. Vielleicht Kartoffelotto!?) eine halbe Schalotte mit klein gewürfelten lila Kartoffeln in Butter anschwenken, mit etwas Weißwein und Gemüsefond ablöschen, salzen, pfeffern, bissfest garen und mit einem EL Parmesan und etwas Butter am Ende abrunden.

Serranoschinken hab ich in einer Pfanne knusprig gebraten, rausgenommen um darin die mit Piment d’Espelette bestäubten Muscheln in Schinkenaroma und Butter zu schwenken.

Es war wie auf einer Mischpalette: Ich aß die einzelnen Komponenten in unterschiedlichen Kombinationen (Püree mit Muschel, Muscheln mit Schinken, Schinken mit Kartoffeln…)  und bei jedem Happen entstand ein köstlich-buntes Treiben in meinem Mund.

Während ich da hier schreibe, lungere ich faul auf dem gleichen Sofa von letzter Nacht und nach den 3 Punkten am Ende  werde ich ein kleines farbenfröhliches Schlummerchen machen …